Die Potsdamer Autorin Julia Schoch wechselt nach Verabredungen mit Mattock mit ihren neuen Roman vom Ostseestrand ins dünnbesiedelte Mecklenburger Binnenland. Es wird die Geschichte zweier Schwestern und durch deren Lebensgang die Geschichte der DDR, der Revolution und die Ernüchterung der letzten Jahre erzählt. Nun ist eine der Schwestern die Erzählerin, über die wir wenig erfahren, umso mehr aber über die ältere, in der Form eines Nachrufs. Denn der Roman beginnt mit deren Selbstmord in New York. Das Lakonische der Schilderung des Lebens, der Ehe, der Liebschaft ist unpsychologisch und vielleicht gerade dadurch so tiefgehend und ergreifend. Der gleichmütige Ton entspricht wohl dem „wortlosen Gleichmut jener Zeit“, der in ihnen geblieben ist. Womöglich trifft dieser Roman genauer als Tellkamps Turm das Leben und die Farben der DDR. Mit der Geschwindigkeit des Sommers erschien im Piper Verlag und stand im April auf Platz 1 der SWR-Bestenliste.
| Text | 20:30 Uhr | Eintritt: 6 Euro (ermäßigt: 3 Euro)