Paul Wittgenstein, Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein, war ein ganz und gar ungewöhnlicher Mann: ein Wahrheitsfanatiker, der ein Doppelleben führte, ein katholisch getaufter Jude, der alle Juden für unehrlich hielt, ein österreichischer Patriot, der 1938 in die USA emigrieren mußte, ein hochbegabter Pianist, der gleich zu Beginn des ersten Weltkriegs den rechten Arm verlor und weiter Konzerte gab. Die in Kunstgeschichte, Musik und Literaturwissenschaft promovierte Lea Singer entfaltet ihre äußerst akkurate Recherche mit einer erstaunlichen erzählerischen Leichtigkeit, die uns mit Paul Wittgenstein eine ganze Epoche näher bringt, in der sich das große Geld familiär mit der Kunst und Wissenschaft verwob. Ihr letzter Roman Mandelkern erzählte die Doktor-Faustus-Thematik aus weiblicher Sicht neu.
Georgi Mundrov (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt) spielt eigens für Paul Wittgenstein geschriebene Klavierstücke. Der Roman Konzert für die linke Hand erschien im Verlag Hoffmann und Campe.
| Text & Ton | 20:30 Uhr | Eintritt: 8 Euro (ermäßigt: 5 Euro)