Heinz Sauer & Michael Wollny, Neujahrskonzert – 7. Januar 2012

„Das Tempo ist meist hoch, wechselhaft und fast immer nur implizit, also Interpretationssache. Der Raum ist bestimmt von Klang, von Klängen, die, wenn man vom landläufigen Erwartungshorizont eines Jazzkonzerts ausgeht, einen erstaunlichen Abstraktionsgrad erreichen. Einer Abstraktion allerdings, die zutiefst persönliche Handschriften erkennen läßt, und dadurch, daß sie in einem sehr überschaubaren Raum, mit einem dicht gedrängten Publikum ihren Ort hat, unausweichlich und intim wirkt, als würde jeder Hörer, jede Hörerin persönlich in diesen Ereignishorizont hinein gezogen. Aber keine Angst, Heinz Sauer und Michael Wollny verlieren nicht den Boden unter den Füßen. Wenn Sauer das Tenorsaxofon ansetzt und Wollny einfach nur das Klavier unter die Hände nimmt, hört man sofort, woher sie kommen, und im Zugaben-Blues erkennt man nicht nur die gute alte Erde, die die beiden am Ende doch wieder hat, sondern auch all die Wege, die in die ferne führen. Kaum möglich, das neue Jahr mit einem besseren Konzert einzuleiten.“

Frankfurter Rundschau, 9. Januar 2012

Feridun Zaimoglu, Ruß – 10. Januar 2012

„Eineinhalb Stunden nimmt sich Zaimoglu Zeit, seinen Kosmos und deren Bewohner zu präsentieren. Er tut das nicht stringent, sondern mit der souveränen Fabulierfreude eines Erzählers, der sich seiner Mittel sicher ist. […] Immer stärker erweist er sich als Schriftsteller, der für jedes Werk einen neuen Stil erfindet. […] Der es versteht, die Wirkung des Textes durch den Vortrag zu einem regelrechten Song zu steigern.“

Frankfurter Neue Presse, 12. Januar 2012

Jochen Schimmang, Neue Mitte – 24. Januar 2012

„Jochen Schimmang ist ein glänzender Erzähler, dem es gelingt, die unterschiedlichen Milieus glaubhaft zu schildern.“

Journal Frankfurt, Nr. 3/12

Christoph Hein, Weiskerns Nachlaß – 7. Februar 2012

„Der 1944 geborene Christoph Hein ist einer der wenigen ostdeutschen Autoren, die zu DDR-Zeiten bereits erfolgreich waren und nun in der Berliner Republik ihre Stoffe gefunden haben. […] Weiskerns Nachlaß ist ein Desillusionierungsprozeß; der Roman eines Mannes, der feststellen muß, daß seine Werte und Ideale nichts mehr zählen.“

Journal Frankfurt, Nr. 4/12

„Christoph Hein ist ein sachlicher Erzähler mit Sinn für Komik.“

Frankfurter Rundschau, 9. Februar 2012

Stuart Evers, Zehn Geschichten übers Rauchen – 14. Februar 2012

„Stuart Evers beherrscht die Kunst, ganz beiläufig und zugleich sehr tief zu erzählen. Mit wenigen Andeutungen tuscht er Charaktere, die sich tief in die Seele brennen. Seine Geschichten fangen irgendwo an und enden irgendwo, und plötzlich ist alles anders.“

Frankfurter Neue Presse, 13. Februar 2012

„Evers ist Brite, das merkt man auch seinen Geschichten mit ihrem dunklen Humor und englischen Charme an, in denen immer irgendjemand raucht, in denen es aber noch um ganz andere Dinge geht. Alle Erzählungen handeln von Menschen, die etwas verloren haben und auf der Suche nach einer vergangenen Liebe, sich selbst oder der Person sind, die sie einmal sein wollten. Anschaulich beschreibt Evers Menschen mit ecken und Kanten, deren Schicksale weit über das Ende der Erzählungen hinaus nachwirken.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Februar 2012

Frankfurt Jazz Trio. Cremer, Polziehn, Gjakanowski – 16. Februar 2012

„Denn was Olaf Polziehn auch immer mit wunderbar kultiviertem Anschlag aus dem neuen Flügel auf der Bühne des intimen Saals an motivisch-thematischen Ideengut entläßt, ist nicht nur musikalische Substanz, die durch Cremers differenziert verwendet Jazzbesen ornamental herausgeputzt wird. […] Dazu paßt auch der profunde Kontrabaß von Martin Gjakanowski, der den dreistimmigen Dialog komplettiert, als erklinge nur ein einziges, zur Harmonie fähiges Instrument. Das kennt man nun schon von drei wundervollen Aufnahmen des Trios (auf der ersten noch mit dem Bassisten Günter Lenz), Aber im Konzertsaal wirkt alles noch feiner, jedes pianistische Fill-In noch spontaner,  jeder Off-beat noch spannungsgeladener und jedes Bass-Riff noch zwingender. Solch schöne Musik sollte man sich häufiger anhören. Man wird selbst schöner davon.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Februar 2012

„Die Musik swingt mit einer wunderbaren Leichtigkeit. […] Spieltechnische Virtuosität ist selbstverständlich, darum geht es aber nicht. Der Drang zu exzessiven Selbstdarstellung liegt ihnen nämlich fern. Frankfurt Jazz Trio: Dieser Anspruch ist nicht zu hoch gegriffen.“

Frankfurter Neue Presse, 18. Februar 2012

LÜÜl, Tourkoller – 18. Februar 2012

„Auf der Bühne gibt sich der weitgereiste Poet vor allem als charmanter Geschichtenerzähler. Zwischen den Stücken plaudert Lüül gut gelaunt über manche Hintergründe und verdichtet so den Eindruck, daß es sich bei vielen Liedern um vertonte Tagebucheintragungen handelt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Februar 2012

Bob Degen & Valentin Garvie, Variationen über Monk und Hindemith – 29. März 2012

„Monk suchte zeitlebens nach den Vierteltönen, etwa indem er im Inneren des Instruments arbeitete. Bob Degen unterläßt dies: dafür bläst Garvie mit langem Atem direkt auf die Saiten des Flügels, und sie beginnen zu vibrieren, daß sich im kubischen Saal der Romanfabrik ein äolischer Multiklang von solcher Intensität (nicht zu verwechseln mit Lautstärke) ergibt, daß einem Kopf und Seele gleichermaßen schwirren. […] Es wird einiges klar an diesem Abend über Gemeinsamkeiten der monk’schen und hindemith’schen Kompositionsneuerungen.“

junge Welt, 2. April 2012

Volker Braun, Die hellen Haufen – 17. April 2012

„Braun geht es nicht um die Darstellung historischer Vorgänge, sondern um die Krise der Gegenwart. In den frühen neunziger Jahren seien bestimmte kriminelle Instinkte und Reflexe trainiert worden, die heute zur Perfektion gelangt seien. Damit hat er höchstwahrscheinlich recht.“

Frankfurter Rundschau, 20. April 2012

Bebelaar, Joos, Lenz, Jazzkonzert – 5. Mai 2012

„Diesen Musikern geht es zweifellos weniger um Rhythmus als um Atmosphären, Melodien und deren geschmackvolle Abstraktion. […] Ungewöhnlich besetztes Jazz-Trio mit subtilen Tönen und Klängen.“

Journal Frankfurt, Nr. 10/12

Michael Wollnys [em], Wasted & Wanted, 26. Mai 2012

“Diese Band hat alles drauf, was es braucht, um ein Publikum zu packen, ohne sich schnöde ranzuschmeißen. Man spürt, daß es dem Trio Spaß macht, das Haus zu rocken. Auch die Klangmacht, die es in den exzessivsten Momenten entfaltet, ist von einem ausgeprägtem Formwillen bestimmt. […] Diese unakademische Musik läßt ein Wissen um die Jazzgeschichte und die des Klaviertrios seit Bill Evans erkennen, ohne sich darin zu ergehen – und behauptet damit eine selbstbewußte Zeitgenossenschaft.“

Frankfurter Rundschau, 29. Mai 2012

„Wollny bringt alles mit, was man von einem perfekten Jazzpianisten oder überhaupt von einem Klavierspieler, den Namen verdient, verlangen kann: virtuose Technik und überschäumende Fantasie, Disziplin und und Fähigkeit zu kreativem Chaos, Sinnlichkeit und ästhetisches Gespür. Nicht zuletzt: Anpassungsfähigkeit im Team. Das war jetzt wieder zu erleben beim Auftritt Michael Wollnys im Trio mit der Bassistin Eva Kruse und dem Schlagzeuger Eric Schaefer in der ausverkauften Frankfurter Romanfabrik. […] Substanz triumphierte über den Effekt. Das Ergebnis war Jazzkunst.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2012

Palermo – Palermo. Eine musikalische Erzählung – 31. Mai 2012

„Sizilianische Tarantella und argentinischer Tango umschlingen sich musikalisch. Schon dieser Auftakt ist programmatisch und macht hörbar, wohin die literarisch-musikalische Reise mit Romanfabrik-Leiter Michael Hohmann und dem Liedermacher Pippo Pollina unter dem Titel Palermo – Palermo gehen wird nach Palermo und Buenos Aires. Ein Abend, der aus dem bekanntem aus Palermo stammenden Liedermacher die Möglichkeit gibt, die Wandlung durch Musik, von der Hohmann in seiner Geschichte erzählt, gewissermaßen stimmlich nachzuvollziehen. Und das macht Pollina wunderbar, mit seiner leicht rauen, aber kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme.“

Frankfurter Neue Presse, 2. Juni 2012

Jan Wagner, Australien. Gedichte – 30. Mai 2012

„Seine Texte gleichen Reisen, er liebt Bilder der Bewegung, die sich in Szenen der Begegnung verwandeln […] Jan Wagners Gedichte streunen durch Sprachen, Ideen und Gegenstände.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juni 2012