Heinz Sauer & Bob Degen, Isle de la Réunion — 17. Januar 2009

’Isle de la Réunion’ nennt das Duo seine Wiederbegegnung, und mit ’Stay in C’ beginnt ein Abend mit vielen Blue Notes. Zunächst dröhnt ein kräftiges Wehen aus dem Tenor, das wie ein Nebelhorn durch die trüben Schlieren dieses Januarabends klagt. Blauschwarze Töne, die Degen mit hellen Noten umspielt. So bleiben die Rollen verteilt an diesem Abend. Sauer gibt die Stimmung vor mit seinem Ton, der immer ein wenig heiser scheint. Der Impressionist am Klavier, der seine Finger mit stupender Flinkheit über die Tasten bewegt, konterkariert. Sein kräftiger Anschlag kann aber auch Blues und Gospel evozieren, denn die grundieren das Spiel der beiden so selbstverständlich wie das der großen Vorbilder Monk und Ellington.

Frankfurter Rundschau, 19. Januar 2009

Heinz Sauer hat mit seinem früheren Partner Albert Mangelsdorff den Jazz in Deutschland geprägt wie kaum ein anderer Musiker. Und Bob Degen, der Amerikaner mit Frankfurter Bodenhaftung, gehört ebenfalls seit Jahrzehnten zum erweiterten Kreis dieses alten deutschen Jazzadels. Dennoch kann man immer nur staunen, was sich an musikalischen Ideen, an Spielwitz und ästhetischem Gedankenaustausch einstellt, wenn solche Künstler einen inspirierten Abend haben und sich gegenseitig beflügeln. Heinz Sauer aber wird mehr und mehr zum Phänomen. Im Spätherbst seiner Karriere reift sein Spiel wie alter Wein [...] Bob Degen ist ein Pianist eigenen Rechts, aber er liefert zugleich einen klassischen Rahmen, der Heinz Sauer zum Ausmalen inspiriert. Auch so funktioniert Kongenialität.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Januar


Volker Braun, Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer — 20. Januar 2009

Da macht sich einer, der in fast 70 Jahren viel erlebt hat, gründlich Gedanken über das Scheitern eines politischen, das Versagen eines wirtschaftlichen Systems. Und das geschieht, anders als im folgenden Gespräch, nicht in Form eines Grundsatzreferats. Es wird fabuliert, daß es eine Lust ist, mit Fantasie und Einfallsreichtum! Dem Publikum beschert Braun so einen anregenden Abend.

Offenbach Post, 22. Januar 2009

Mit diesem pikaresken Wagestück samt barocken Kapiteln und manischen Wortspielereien hat der Suhrkamp nach Tellkamps ’Turm’ ein weiteres Wendebuch vorgelegt. Nur daß diesmal nicht der Bildungsbürger im Mittelpunkt steht, sondern der Arbeiter, der nicht mehr arbeiten darf und deshalb seine Identität verliert. [...] ’Man kann die Arbeit nicht auf sich beruhen lassen’, sagt er. ’In der Sphäre menschlicher Tätigkeit entscheidet es sich, ob der Mensch frei ist.’

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Januar 2009


Pippo Pollina & Linard Bardill, Caffè Caflisch — 24. Januar 2009

Flink agiert der Mann aus Sizilien, ihm zur Seite der große, ruhige Sänger aus Graubünden [...]. Beide servieren ein munteres Durcheinander aus Italienisch, Schwyzerdütsch und Rätoromanisch, wechselseitig übersetzend begleiten sie ihre Lieder mit Gitarre und Klavier.

Frankfurter Rundschau, 26. Januar 2009


Johannes Gelich, Der afrikanische Freund — 27. Januar 2009

Gelich, 1969 in Salzburg geboren, macht es sich und den Lesern in seinen Büchern nicht leicht. Kritisch und sprachlich brillant seziert er die Hochleistungsgesellschaft als ’beleidigende Schimäre’. [...] Von der politischen Sanftmütigkeit, die Gelich einst bei sich und anderen Autoren aus seiner Heimat beklagte, ist hier wenig zu spüren. Die österreichische Form vom ’Fegefeuer der Eitelkeiten’ verstört und fasziniert gleichermaßen.

Frizz, Januar 2009


Lea Singer & Georgi Mundrov, Konzert für die linke Hand — 10. Februar 2009

Gestern Abend bot die Romanfabrik in Frankfurt am Main ihrem Publikum wieder ein zweifaches Vergnügen: Lea Singer stellte ihren Roman ’Konzert für die linke Hand’, im Oktober 2008 bei Hoffmann & Campe erschienen, vor: Georgi Mundrow bewies eindrucksvoll, daß es tatsächlich möglich ist, mit nur einer Hand Klavier zu spielen.

BuchMarkt online, 11. Februar 2009


Jan Costin Wagner, Im Winter der Löwen — 17. Februar 2009

Der trockene Humor ist neu in Joentaas düsterer Welt, die den Südhessen und Wahlfinnen unter die großen aktuellen Krimischriftsteller Skandinaviens einreiht.

Offenbach Post, 19. Februar 2009


Mirko Bonné, Wie wir verschwinden — 10. März 2009

Daß Bonné in Poesie und Prosa gleichermaßen versiert ist, kommt dem Text zugute. Er besticht durch Bildhaftigkeit und hohe Suggestivität. Der Leser/Zuhörer sieht den Autounfall, dem Camus zum Opfer fällt, förmlich heraufziehen. Kunstvoll hat ihn der Verfasser auf mehrere Stränge verteilt, eingebettet in die Geschichte seines Ich-Erzählers Raymond [...].

Offenbach Post, 12. März 2009


Rebekka Hartmann, Violine solo — 14. März 2009

Es ist kaum hoch genug zu loben, daß sich die Romanfabrik dieser unterschätzten, unprätentiösen und mitreißenden Geigerin annimmt und sie erstmals in Frankfurt vorstellt!

Strandgut, März 2009


Rawi Hage & August Zirner, Als ob es kein Morgen gäbe — 17. März 2009

In seiner Wahlheimat Kanada ist er eine Art Popstar. Sein Debüt ’Als ob es kein Morgen gäbe’ hat den weltweit höchstdotierten Preis für ein Einzelwerk erhalten, den Impac Award. [...] Aus dem englischsprachigen Original liest Hage selbst, aus der seinen Tonfall sehr genau treffenden Übertragung von Gregor Hens der TV-bekannte Schauspieler August Zirner. Der nimmt seine mimischen Gaben zurück und findet zu angemessener Textgestaltung allein kraft seiner starken Stimme.

Offenbach Post, 19. März 2009


Pressekonferenz Krimireihe Mörderische Nachbarn — 25. März 2009

„Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz und den Niederlanden werde lustvoll gemordet, sagte Michael Hohmann, Leiter der Frankfurter Romanfabrik, gestern bei der Vorstellung der neuen Lesungsreihe ’Mörderische Nachbarn’. Mit der Krimireihe, die in Zusammenarbeit mit dem niederländischen und dem schweizerischen Generalkonsulat entstanden ist, wolle man nicht nur Literatur aus den beiden Nachbarländern vorstellen, sondern auch den kulturellen Alltag, der die Schweiz und die Niederlande präge, sagte Hohmann.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. März 2009


Veit Heinichen, Die Ruhe des Stärkeren — 1. April 2009

„Die europäische Dimension machte den Abend zum geeigneten Auftakt der Reihe ’Mörderische Nachbarn’.

Offenbach Post, 3. April 2009


Hansjörg Schertenleib, Das Regenorchester — 6. April 2009

„ ... eine Parabel über die heilende Kraft des Erzählens [ ... ] Schertenleib, der sich in den vergangenen Jahren mit Romanen wie ’Die Namenlosen’ und ’Das Zimmer der Signora’, mit Hörspielen, Gedichtbänden und Erzählungen einen Namen gemacht hat, verließ sich für seine Frankfurter Lesung auf Verstärkung. Die Schweizer Schauspielerin Hanna Scheuring las die von Niamh erzählten Passagen, denen sie einen passenden, leicht spöttischen Tonfall gab, einen lebensechten Klang zum Nutzen der Lesung und zur Freude des Zuhörers. [---] ’Ich will niemand belehren’. Er (Schertenleib) schreibe, weil er sein Leben immer wieder neu erfinden und zu Geschichten zusammenschmelzen wolle.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. April 2009


Micha Brumlik, Kritik des Zionismus — 22. April 2009

... ’Ich glaube nicht, daß die Zionisten recht hatten, sagte Brumlik. Nur Montgomerys Sieg gegen Rommel habe verhindert, daß die Gaswagen der Nationalsozialisten aus Athen nach Palästina verlegt worden seien. ’Der Zionismus hat nicht gesiegt. Er ist übrig geblieben.’ Allen selbstzerstörerischen Tendenzen des staatsbildenden Zionismus zum Trotz hat Brumlik eine postzionistische Vision, Er vertritt nicht nur eine Zwei-Staaten-Lösung, er wünscht sich Israel auch als Mitglied der Europäischen Gemeinschaft. [...] Der Pädagogikprofessor mit religionsphilosophischer Neigung hat einen langen Weg zurückgelegt vom zionistischen Lebensentwurf seiner Jugend bis zu dieser differenzierten Analyse aus dem Geiste Kants.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Mai 2009


Thomas Kapielski, Mischwald — 28. April 2009

„Kapielski auf der Bühne ist stets ein Ereignis. Er präsentiert seine Texte in einer großartigen Mischung aus Lesung und einem sich selbst karikierenden, ironischem Kommentar ...“

Frankfurter Rundschau, 28. April 2009

„... Kapielski, unüberhörbar Berliner, Künstler, Schriftsteller, hoch gebildeter Spaßmacher- und Pointenverweigerer, wie sein Auftritt einmal mehr unter Beweis stellte. [...] Kapielskis texte sind wie der Welt – banal bis absurd.“

Frankfurter Rundschau, 30. April 2009

„In der Romanfabrik hat der Berliner Künstler, Schriftsteller, Musiker, Fotograf und Performer jetzt sein Buch ’Mischwald’ vorgestellt, das vor kurzem in der Edition Suhrkamp erschienen ist: aphoristische und anekdotische Notizen aus dem Alltag eines Künstlersozialklassen-Mitglieds. Zwischen Bockbier-Flatulenzen und mystischen Höhenflügen, Aufzählungen von Mücken, Fliegen, Käfern und Schmetterlingen, Gedanken über einen Hocker und über eine ’Schraubenmutter auf blauem Grunde’ finden sich allerlei Weisheiten: etwa über die Selbstverständlichkeit der eigenen Sprache, die Kapielski mit Passagen aus dem Ungarischen unterminiert – Hommage an eine Übersetzerin, die von Erdnüssen und Rotwein lebt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. April 2009


Jakob Arjouni, Der heilige Eddie — 19. Mai 2009

„ ... ist Arjounis neuer Held Eddie, der Taschendieb und Straßenmusiker [...] vielseitig begabt. Er hat mehrere Berliner Typen einstudiert, in deren Verkleidung er sich durchlaviert. Das garantiert Lacher im Publikum – Arjouni sagt selbst, er wolle gut unterhalten werden. Gesellschaftskritik ist nicht seine Sache, trotzdem gelingen im ein paar gute Berlin-Beobachtungen, besonders dort, wo es um die arrivierte Ökoszene in Kreuzberg geht. Das gefällt dem Publikum, wenn Arjouni animiert seinen Helden vorstellt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Mai 2009


Julia Schoch, Mit der Geschwindigkeit des Sommers — 26. Mai 2009

Ob der lakonische ’Schoch-Sound’ ein Garant für Authentizität sei, wollte Hausherr Michael Hohmann wissen. Die Autorin lächelte hoffnungsfroh und gab zu, an diesem Buch gern gearbeitet zu haben: ’ohne zu kämpfen’ wie sonst. Hohmann glaubte, die Erzählhaltung der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras herausgehört zu haben. ’Sie ist mir nicht fremd’, erwiderte Schoch sybillinisch.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Mai 2009

„Es geht um das Ende aller Träume, wenn die Freiheit errecht ist, und das Verschwinden eines Menschen. Der von der Kritik hochgelobte ’Schoch-Sound’ wird dem gerecht.

Offenbach Post. 29. Mai 2009


Christoph Stiefel, Inner Language Trio — 28. Mai 2009

„Es ist schon so: Konzerte in der Romanfabrik bewahren etwas von der Atmosphäre des Salons früherer Zeiten. Man trifft sich, unterhält sich, ißt einen Happen, trinkt ein Glas und lauscht Schöngeistigem. [...] Christoph Stiefel, der klassisch gebildete Jazzpianist aus Zürich, mußte sich jetzt mit seinem ’Inner Language Trio’ wohl auch nicht erst mühsam an diese Sphäre anpassen. Seine Musik hat immer schon vergangene Klangästhetik reflektiert. [...] Vor allem im Zusammenspiel mit dem hochsensiblen, gleichwohl kraftvoll intonierenden neuen Kontrabassisten Thomas Lähns und seinem wie ein Schweizer Präzisionswerk tickenden, langjährigen Schlagzeuger Marcel Papaux entsteht ein hochkompexes Netzwerk aus freien Improvisationspassagen und polyphonem Satz. [...] Ein überzeugendes Konzept.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Mai 2009


Otto Sander & Gerd Bessler, ich bin etwas schief ins Leben gebaut — 30. Mai 2009

„’Ich bin etwas schief ins Leben gebaut’ – die lyrische Selbstbeschreibung von Joachim Ringelnatz [...] unter dieses Motto stellte der Schauspieler aus Berlin seine Lesung mit Texten des vor 75 Jahren dort gestorbenen Dichters. In der ausverkauften Frankfurter Romanfabrik erlebte das Publikum einen intensiven Abend. [...] Musikalisch assistierte Gerd Bessler kongenial am Flügel und auf der Stroviola, einer Bratsche mit Schalltrichter; ’La Paloma’ inbegriffen. Mit der köstlichen Rotkäppchen-Variation aus Säufermund als Zugabe kamen schließlich die Kinder auf ihre Kosten.“

Offenbach Post, 3. Juni 2009


Stefanie Zweig, Die Kinder der Rothschildalle — 9. Juni 2009

„... Leser ihrer autobiographisch gefärbten Erfolgsbücher ’Nirgendwo in Afrika’ und ’Irgendwo in Deutschland’ erfahren nichts Neues – die anderen lernen eine auskunftsfreudige Frau kennen, die ihre Lebens- in Literaturgeschichte ummünzt.“

Offenbach Post, 11. Juni 2009