Unsere Musikreihe korrespondiert mit der Vortrags- und Debattenreihe „Café Europa“ der Romanfabrik. So wie das „Café Europa“ die verschiedensten Momente europäischer Identität beleuchtet, thematisiert unsere Konzertreihe Die Musik Europas musikalische Aspekte zu diesem Thema.

Die europäische Musikkultur ist in ihrem historischen Wandel und ihrer sich immer wieder neu formierenden Vielgestaltigkeit ein wichtiges Element in der Herausbildung der Identität dieses Kontinents. Das Zusammenwachsen Europas, aber auch das immer wieder auflebende Auseinanderstreben der Nationalitäten findet seinen Niederschlag in der Geschichte der europäischen Musik. An vielen Momenten der Musikgeschichte lässt sich die immens inspirierende Wirkung, die aus der Begegnung des bisher sich „gegenseitig Fremden“ und „voneinander Abgegrenzten“ erwächst, exemplarisch ablesen. Das Sicheinlassen auf dieses Fremde und das Inbeziehungsetzen mit dem Eigenen war immer wieder der Impuls, der zur Entdeckung von Neuland inspirierte und der Phantasie ungeahnte Räume öffnete. Dies ist ein Wesenszug der Geschichte Europas. Ob solche Entwicklungen durch den Austausch über Grenzen hinweg (z.B. über die Alpen) oder durch die schmelztiegelartige Wirkung von zeitweiligen Kulturmetropolen (wie Wien oder Paris) angestoßen wurde, immer trugen sie über das Künstlerische hinaus auch zum gegenseitigen Verständnis bei und zum Entstehen eines Gefühls von übernationaler Gemeinsamkeit. Auch die Rückbesinnung auf eigene nationale Wurzeln und Traditionen wirkte vielfach befruchtend auf die künstlerische Produktion, gerade weil das hier Gewonnene als Neuerung auch über die nationalen Grenzen hinweg wirksam wurde.

Das aus der europäischen Musikgeschichte bekannte Pendeln zwischen Austausch und Rückbesinnung, basierend auf Offenheit und Neugier, steht exemplarisch für ein organisches Zusammenwachsen Europas. Diese für Europa typische Offenheit und Neugier kann für den heutigen Prozess der Globalisierung zum Vorbild dienen.

Damit rückt ein weiterer Punkt in den Blick: der kulturelle Austausch und die gegenseitige Beeinflussung über den europäischen Rahmen hinaus. Auch die nachweislichen Wechselwirkungen europäischer Musik mit außereuropäischen kulturellen Traditionen gehören in den Umkreis der Thematik unserer Reihe. So werden in Europa entwickelte musikalischen Gestaltungsprinzipien (wie Mehrstimmigkeit, Harmonik, Notation etc.) erfolgreich in alle Welt exportiert, was Züge des europäischen Kolonialismus in sich birgt. Aber auch die Rezeption, Adaption und Integration außereuropäischer (asiatischer, arabischer…) Musikformen in Europa üben immer wieder eine innovative Anziehungskraft auf europäische Künstler aus.

Teilaspekte zu der hier angerissenen Thematik werden in jedem Konzert der Reihe anhand der klingenden Sinnlichkeit unterschiedlichster Musik in den Blick genommen.

Eine Reihe der Romanfabrik in Zusammenarbeit mit dem Mutare Ensemble und der Jungen Deutschen Philharmonie Frankfurt.