Betrachtet man das Verhältnis von Musik und Sprache, stellt man fest, daß die Sprache selbst schon aus Musik besteht. Schon ein einziges Wort hat einen Klang, enthält unterschiedliche Tonhöhen und hat einen natürlichen Rhythmus, sogar innerhalb einer Silbe. Im Falle eines Verses, eines Gedichts gar, entfaltet sich der ganze musikalische Reichtum einer natürlichen Sprache. Wenn nun Komponisten sich daran setzen, einen schon geformten sprachlichen Ausdruck in Musik zu setzen, für den Gesang zu komponieren, weckt dieses Vorgehen unsere größte Neugier.

Dies geschieht beispielsweise in der Oper oder im Oratorium im Spektrum zwischen eher musiknaher Arie und eher sprachnahem Rezitativ. In unserer aktuellen Reihe möchten wir uns jedoch dem Lied widmen. Hier kommt es im Idealfall zu einer innigen Verbindung und Durchdringung von poetischer Sprache und Musik. Im Zentrum steht die menschliche Stimme, die schon beim Sprechen eines Gedichts melodische Bögen und Rhythmen hören läßt. Hinzu treten instrumentale Partien, die durch Harmonisierung und rhythmische Begleitung die vokale Linie in einen musikalischen Bedeutungszusammenhang stellen und sie dadurch deuten und beleuchten.

Interessant scheint es zudem, wie unterschiedliche Sprachen durch ihre ganz eigenen Klänge und ihren natürlichen Sprachrhythmus die Gestaltung der musikalischen, ja sogar der instrumentalen Partien beeinflussen. Führt die klangliche Charakteristik einer Sprache zu einer spezifischen, ihr verwandten musikalischen Charakteristik? Ist z. B. neben dem französischen Lied die französische Musik überhaupt geprägt durch die französische Sprache?

Um diese Spur zu verfolgen, ist jedes der fünf Konzerte Vertonungen von Texten in einer anderen Sprache gewidmet. Für das Programm wurden Kompositionen ausgewählt, die eine Singstimme mit mehreren Instrumenten kombinieren (keine reinen Klavierlieder). So läßt sich die Vielfalt der Wechselwirkungen zwischen Sprache und Musik bis in die Instrumentalstimmen und deren Charakteristik hinein erfahrbar machen. 

Eine Reihe der Romanfabrik in Zusammenarbeit mit dem Mutare Ensemble und der Jungen Deutschen Philharmonie Frankfurt. Mit freundlicher Unterstützung der Adolf und Luisa Haeuser Stiftung und des Kulturfonds Frankfurt RheinMain.