Romanfabrik Logo

Die Geschichte beginnt mit einer ebenso unglaublichen wie wahren Begebenheit. Nein, eigentlich mit einer Folge unglaublicher und wahrer Begebenheiten. Wie ein Roman eben. Die beteiligten Personen: ein Pelzdieb, Peter Z., beginnt im Knast zu schreiben. Eine erfolgreiche Cartoonistin, Doris L., verliebt sich in den Knacki. Ein Bordellbesitzer, Dieter E., verspricht, dem Knacki nach der Entlassung zu helfen. Richtet ihm tatsächlich eine Kellerkneipe ein.

Und im schönen Haus werden die Wohnungen renoviert für Autoren und anderes Künstlervolk. Dann stiftet der Bordellbesitzer gar einen Literaturpreis, und der Vierte im Bunde, Prof. Herbert H., Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, gibt dem ganzen Projekt noch seinen Segen und macht den Jury-Vorsitz.

Dies geschah im Jahre 1985, zu einer Zeit, als es für Literaten und Künstler noch keinen festen Ort in Frankfurt gab und noch niemand an ein Literaturhaus dachte. Im Hessischen Schriftstellerverband wurde die Idee eines „Literatur-Ortes“ zwar immer wieder diskutiert, es fand sich aber kein Weg zur Realisierung. Dann wurden im Herbst des Jahres fast zeitgleich die Romanfabrik und das Literaturbüro aus der Taufe gehoben. „Romanfabrik“, so sollte das Haus in der Uhlandstraße im augenzwinkernden Selbstverständnis der Bewohner heißen, denn die Autoren wollten von dem Verkauf ihrer Produkte leben.

Und dies geschah im Frankfurter Ostend, damals eine von der Stadtplanung vernachlässigte Gegend. Das paßte gut als Heimat für „verrückte“ Roman-Fabrikanten. „Kulturfreunde“ gab es kaum in der Nachbarschaft, dafür die Pennerkneipe „Sonnemannshop“. So sollte auch der „Fabrikschreiberpreis“ eine Literatur fördern, die das Leben in seiner Vielfalt und seinen Widersprüchen zeigt und nicht nur um den Schreibtisch des Autors kreist.