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In der Kellerkneipe fanden regelmäßig Lesungen, Autorengespräche und sonstige literarische Veranstaltungen statt. Das Programm wurde zunächst von den „Romanfabriklern“ gestaltet, auch den Betrieb der Kneipe übernahmen Zingler, Lerche und die anderen Autoren aus dem Haus. Daß dies bald Formen von Selbstausbeutung annahm, lag auf der Hand, denn jeder Künstler mußte ja schließlich auch noch an seinen Büchern und Bildern arbeiten. Es galt, Pressearbeit zu machen, das Programm zu planen und zu koordinieren. Programmhefte mußten gestaltet und verschickt werden, aus Hunderten von Manuskripten mußte der Preisträger ausgewählt werden. Neben Autorenhonoraren kamen auf diese außergewöhnliche Kulturinitiative noch Kosten für Organisation und Werbung zu. Und nebenbei mußte man sich immer wieder für den „anrüchigen“ Mäzen rechtfertigen.

Am 9. Oktober 1985 war der Verein „Romanfabrik e. V.“ gegründet worden, ganz ordentlich, trotz aller Vorbehalte gegenüber dieser angeblich typisch deutschen Form der Freizeitorganisation, mit Vorstand, Kassierer, Schriftführer und Kassenprüfern. Die Bilanz der ersten drei Monate war erschreckend, das Protokoll vermerkt einen „Überschuß der Ausgaben über die Einnahmen“ in fünfstelliger Höhe. Dies belegt, warum ein gemeinnütziger Verein vonnöten war: Ohne ihn gibt es keine Fördermittel, die Kosten mußten bis dahin durch private Kredite gedeckt werden. Gelder bei Stadt und Land waren zu beantragen, denn natürlich war die Romanfabrik — wie andere Kulturinitiativen auch — ohne öffentliche Förderung nicht überlebensfähig.

Nachdem im Oktober 1985 ein Antrag auf Förderung durch das Land Hessen abgelehnt worden war, konterte der Vereinsvorsitzende: „Der Verein fördert das kulturelle Leben Hessens ebenso wie viele andere von Ihnen unterstützte Träger.“ Im Januar 1986 wurde dann im Protokoll die freudige Nachricht vermerkt: Das Land Hessen wird die Romanfabrik im Jahr 1986 fördern. Die Stadt Frankfurt schloß sich dem an. Und beides ist bis heute so geblieben. Zumindest im Prinzip. Ebenfalls im Januar erhält die Romanfabrik die freudige Nachricht aus dem Stadtsteueramt, daß ihre Lesungen nach den Bestimmungen des Vergnügungssteuergesetzes als künstlerisch hochstehend und nicht vergnügungssteuerpflichtig sind. Anders sähe es da schon aus, würde die Romanfabrik einen Preisskat organisieren. Geholfen hat hier ein Amtsschreiben Hilmar Hoffmanns zur „Prädikatisierung“ der Lesungen.